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Noam Chomsky

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Noam Chomsky Artikel

Noam Avram Chomsky (* 7.12 1928 in Philadelphia, Pennsylvania, Vereinigte Staaten Amerika) ist Professor für Linguistik am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und einer der global bedeutendsten Sprachwissenschaftler. Seine Beiträge zur allgemeinen Sprachwissenschaft förderten den Niedergang des Behaviorismus und den Aufstieg der Kognitionswissenschaft. Neben seiner liguistischen Arbeit ist Chomsky als scharfer Kritiker der US-amerikanischen Politik bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Noam Chomsky hat die Darstellung von natürlichen Sprachen formalisiert: Die Neuerung war, sprachliche Ausdrücke mit Hilfe einer Metasprache rekursiv zu definieren. Die resultierenden Klassen von Grammatiken können in eine Hierarchie eingeteilt werden (Chomsky-Hierarchie). Er legte damit die Grundlage für die moderne Sprachwissenschaft.

Formale Sprachen und die Chomsky-Hierarchie spielen auch in der Informatik eine wichtige Rolle, insbesondere in der Komplexitätstheorie und in dem Compilerbau. Moderne Forscher wie Stephen Pinker bauen auf Chomskys Methodik auf.

Vielen Forschern innerhalb der Computerlinguistik gelten Chomskys Theorien, insbesondere die Generative Transformationsgrammatik und seine Government and Binding -Ansätze, allerdings seit ungefähr 1980 zwar als bedeutende Pionierleistung, jedoch als heute veraltet insofern sie sich auf natürliche Sprachen beziehen -- in dem Gegensatz zu Programmiersprachen und anderen formalen Sprachen, wo seine Formalismen zusätzlich mit Gewinn benutzt werden können.

Noam Chomsky ist seit 1965 ein führender linker Kritiker der US-amerikanischen Außenpolitik. Seine Vorträge werden außer in Büchern teilweise auch auf CDs veröffentlicht, die z.B. auf dem Label Alternative Tentacles von Jello Biafra erscheinen.

Chomsky nimmt seit Jahrzehnten kritisch zur US-Außenpolitik Stellung. Noam Chomsky, Sohn eines angesehenen jüdischen Sprachwissenschaftlers und Hebraisten, gilt als einer der führenden Sprachwissenschaftler unserer Zeit.

Leben

Chomsky wurde 1928 in Philadelphia (Pennsylvania) als Sohn des jüdischen Gelehrten William Chomsky geboren. In dem Jahr 1945 begann er an der Universität von Pennsylvania Philosophie und Linguistik zu studieren. Zu seinen Lehrern zählte der Sprachwissenschaftler Zellig Harris mit dessen politischen Ansischten sich Chomsky identifizierte.

Anfang der 1950er Jahre verbrachte er einige Jahre in Harvard bis er 1955 an der Universität von Pennsylvania in Linguistik promovierte. In seiner Doktorarbeit begann er bereits einige der Ideen zu entwickeln, die er 1957 in seinem Buch Syntaktische Strukturen, einem der bekanntesten Werke der Sprachwissenschaft, ausarbeitete.

Nach der Verleihung der Doktorwürde lehrte Chomsky zunächst als Assistenzprofessor, seit 1961 als ordentlicher Professor Linguistik und Philosophie am MIT. In den 1960er Jahren wurden seine revolutionären sprachwissenschaftlichen Arbeiten global anerkannt. Seither gilt er als einer der wichtigsten Theoretiker auf diesem Gebiet.

In dieser Zeit begann Chomsky sich in der Öffentlichkeit deutlicher politisch zu artikulieren. Seit 1964 protestierte er gegen das Eingreifen der Amerikaner in Vietnam. 1969 veröffentlichte er "Amerika und die neuen Mandarine", eine Sammlung von Aufsätzen über den Vietnamkrieg. Ebenso deutlich bezog Chomsky Stellung gegen die amerikanische Politik in Kuba, Haiti, Ost-Timor, Nicaragua, in dem Palästinakonflikt und gegenüber den "Schurkenstaaten" sowie zu dem Golf- und Kosovokrieg, zur Frage der Menschenrechte, zu Globalisierung und neoliberaler Weltordnung. Heute ist er neben seiner weiter unbestrittenen Bedeutung für die Linguistik zu einem der bedeutendsten Kritiker der US-Außenpolitik, der politischen Weltordnung und der Macht der Massenmedien geworden.

In der "New York Times Book Review" wurde Chomsky einmal als der "wichtigste Intelektuelle der Gegenwart" genannt. Noam Chomsky hierzu: "Das Zitat wurde von einem Verlagshaus veröffentlicht. Doch da sollte man stets sehr exakt lesen: Wenn man nämlich das Original nachschaut, dann heisst es weiter: 'wenn dies der Fall ist, wie kann er dann solchen Unsinn über die amerikanische Aussenpolitik schreiben?' Diesen Zusatz zitiert man nie. Aber um ehrlich zu sein: Gäbe es ihn nicht, würde ich glauben, ich mache etwas falsch."

Beiträge zur Linguistik

Chomskys 'Syntaktische Strukturen' sind ein Distillat seines Buches “Die logische Struktur der linguistischen Theorie� (1955,75) im er die Transformationsgrammatik einführt. Die Theorie nimmt Äußerungen (Worte, Phrasen, Sätze) und setzt sie mit „Oberflächenstrukturen“ in Zusammenhang, die selbst wieder mit abstrakteren Tiefenstrukturen korrespondieren. (Eine steife und klare Unterscheidung zwischen Oberflächen- und Tiefenstrukturen wird heute in gegenwärtigen Versionen der Theorie nicht mehr vorgenommen.) Umformungsregeln bestimmen zusammen mit den Regeln für die Struktur von Phrasen und anderen Strukturprinzipien sowohl die Erzeugung als auch die Interpretation von Äußerungen. Mit einem begrenzten Instrumentarium von grammatikalischen Regeln und einer endlichen Anzahl von Worten kann eine unbegrenzte Menge von Sätzen gebildet werden, darunter solche, die noch nie zuvor gesagt wurden. Die Fähigkeit, unsere Äußerungen auf diese Weise zu strukturieren ist angeboren, ein Teil des genetischen Programms des Menschen und wird Universalgrammatik genannt. Wir sind uns dieser Strukturprinzipien in dem Allgemeinen genauso wenig bewusst wie wir es der meisten unserer biologischen und kognitiven Merkmalen sind.

Aktuelle Theorien Chomskys (wie sein Minimalismus) stellen strenge Anforderungen an die Universalgrammatik. Grammatikalischen Prinzipien unterliegende Sprachen sind festgelegt und angeboren, der Unterschied zwischen den Weltsprachen kann durch das Setzen von Parametern in dem Gehirn charakterisiert werden, was häufig mit Schaltern verglichen wird (z.B. der prodrop Parameter, der anzeigt ob ein explizites Subjekt wie in dem Englischen oder Deutschen stets benötigt wird -prodrop, oder es wie in dem Spanischen oder Italienischen auch wegfallen kann +prodrop) In Abhängigkeit von diesen Parametern weisen die Sprachen grammatisches Merkmalen auf, die nicht mehr zusätzlich gelernt werden müssen. Ein Kind, das eine Sprache lerne, müsse ca. die notwendigen lexikalischen Einheiten (Worte) und Morpheme erwerben und die Parameter auf passende Werte festlegen, was bereits anhand weniger Beispiele erfolgen könne.

Chomskys Herangehensweise ist durch mehrere Beobachtungen motiviert. Ihn erstaunt zunächst das Tempo, mit dem Kinder sprachen lernen. Zusätzlich stellt er fest, dass Kinder auf der ganzen Welt beim Spracherwerb ähnliche Schritte verfolgen. Schließlich bemerkt er, dass Kinder bestimmte, typische Fehler machen, wenn sie ihre erste Sprache erlernen, wohingegen andere scheinbar logischere Fehler nicht auftreten.

Chomsky Ideen hatten einen starken Einfluss auf die Behandlung des kindlichen Spracherwerbs. Die meisten Wissenschaftler, die in diesem Bereich arbeiten, lehnen Chomskys Theorien jedoch ab und bevorzugen Emergenz- oder Konnektionismustheorien , die auf allgemeinen Verarbeitungsmechanismen in dem Gehirn aufbauen. Letztlich bleiben aber praktisch alle linguistischen Theorien kontrovers und so wird auch die Behandlung des Spracherwerbs aus der Chomskyschen Perspektive fortgeführt.

Generative Grammatik

Chomsky Herangehensweise an die Syntax, häufig generative Grammatik genannt, wurde obwohl sie sehr verbreitet ist durch viele Forscher, insbesondere durch solche, die außerhalb der Vereinigte Staaten Amerika arbeiten, in Frage gestellt. Chomskys syntaktische Analysen sind häufig hochgradig abstrakt. Sie beruhen auf der sorgfältigen Behandlung der Grenze zwischen grammatikalischen und ungrammatikalischen Mustern in konkreten Sprachen. (Vgl. den so genannten pathologischen Fall, der in der Mathematik eine ähnlich bedeutende Rolle spielt). Derartige grammatische Entscheidungen können jedoch ca. durch Muttersprachler adäquat getroffen werden. Darum konzentrieren sich Linguisten meist auf die eigene Muttersprache bzw. Sprachen, die sie fließend beherrschen, für gewöhnlich Englisch, Französisch, Deutsch, Holländisch, Italienisch, japanisch oder eine der Chinesischen Sprachen. Ab und zu scheitert eine Analyse der generativen Grammatik wenn sie auf eine Sprache angewandt wird, die zuvor nicht studiert wurde. Wenn neu Sprachen erforst werden führ dies meist zu zahlreichen Korrekturen am Konzept der generativen Grammatik. Die Anforderungen, die an linguistische Universalien gestellt werden, wurden in dem Lauf der Zeit nicht weniger, sondern mehr. Kaynes Vorschlag aus den 1990er Jahren beispielsweise, dass alle Sprachen über eine zugrunde liegende Subjekt-Verb-Objekt Ordnung verfügen, wäre in den 1960er Jahren nicht plausibel gewesen. Eine der Hauptmotivationen für einen alternativen Auffassung, dem funktional-typologischen Verständnis oder der Sprachtyplogie (die häufig mir Joseph H. Greenberg in Verbindung gebracht wird) ist es Hypothesen der linguistischen Universalien auf dem Studium einer möglichst großen Vielfalt von Sprachen zu begründen, die entdeckten Variationen zu klassifizieren und Theorien zu formen, die auf dieser Klassifikation aufbauen. Chomskys Ansatz ist zu detailliert und zu sehr auf das Wissen von Muttersprachlern bezogen um dieser Methode zu folgen, obschon er in dem Lauf der Zeit auf ein breites Spektrum von Sprachen Anwendung fand.

Chomsky-Hierarchie

Chomsky ist, unabhängig davon inwieweit seine Ergebnisse Schlüssel zu dem Verständnis menschlicher Sprache darstellen, berühmt für seine Behandlungen formaler Sprachen. Seine Chomsky-Hierarchie teilt die formale Grammatik in Klassen wachsender Ausdruckskraft. Jede folgende Klasse kann zu einem breiteren Satz formaler Sprachen führen als die vorhergehende. Interessanterweise vertritt er die Auffassung, dass die Beschreibung einiger Aspekte der Sprache eine in dem Sinne der Chomsky-Hierarchie komplexere formale Grammatik benötige als die Beschreibung anderer Aspekte. Beispielsweise reiche eine reguläre Sprache aus, die Englische Morphologie zu beschreiben, sei aber nicht stark genug um auch die Englische Syntax zu beschreiben. Die Chomsky-Hierarachie ist über ihre Bedeutung für die Linguistik hinaus zu einem wichtigen Element der theoretischen Informatik, speziell des Compilerbas geworden, da sie über bedeutende Verbindungen und Isomorphismen mit der Automatentorie verfüge.

Kritik an Chomskys Linguistik

Obwohl Chomskys Auffassung die bekannteste der Linguistik ist, wurden seine Ansichten kritisiert. Möglicherweise ist die bekannteste Alternative zu Chomskys Standpunkt derjenige von George Lakoff und Mark Johnson. Deren kognitive Linguistik stellt eine Weiterentwicklung seines Ansatzes dar, unterscheidet sich aber in wesentlichen Merkmalen in signifikanter Weise. Insbesondere bestritten Lakoff und Johnson die Neocartesianischen Ansätze in Chomskys Theorie und stellten fest, dass er nicht in der Lage sei, darüber Rechenschaft abzulegen, inwieweit Wahrnehmung repräsentiert werden könne.

Wie bereits bemerkt wurde ist der Standpunkt der Konnektionisten nicht mir dem Chomskys vereinbar ist. Ebenso unvereinbar sind einige neuere Strömungen in der Psychologie, wie zu dem Beispiel die Diskurspsyschologie oder die situated cognition der konstruktivistischen Kognitionswissenschaft.

Auf radikalere Weise kritisieren Philosophen, die in der Tradition Ludwig Wittgensteins stehen, wie etwa Saul Kripke , dass Chomskianer die Rolle von regelbasierter menschlicher Wahrnehmung grundsätzlich falsch einschätzen. In ähnlicher Weise opponieren Philosophen in phänomenologischen, existentialistischen und hermeneutischen Traditionen dem abstrakten, neorationalistischen Aspekt von Chomskys Gedankengebäude. Am besten repräsentiert dürfte diese Kritik durch Hubert Dreyfuss sein, der auch durch seine beständige Polemik gegen das Konzept der „Künstlichen Intelligenz“ bekannt ist.== Sprachwissenschaftliche Publikationen ==

  • Three Models for the Description of Language, 1956
  • Syntactic Structures, 1957
  • Aspects of the Theory of Syntax, 1965
  • Language and Mind, 1972
  • Rules and Representations, 1980
  • Lectures on Government and Binding, 1981
  • Knowledge of Language. Its Nature, Origin and Use, 1986
  • Language and Thought, 1993
  • The Minimalist Program, 1995

Sonstige Publikationen (Auswahl)

Auszeichnungen (Auswahl)

Original-Zitate (übersetzt)

  • "Ein Intellektueller zu sein, ist eine Berufung für jedermann: es bedeutet, den eigenen Verstand zu gebrauchen, um Angelegenheiten voranzubringen, die für die Menschheit wichtig sind. Einige Leute sind privilegiert, mächtig und gewöhnlich konformistisch genug, um ihren Weg in die Öffentlichkeit zu nehmen. Dass macht sie keineswegs intellektueller als einen Taxifahrer, der zufällig über die gleichen Dinge nachdenkt und das möglicherweise klüger und weniger oberflächlich als sie. Denn das ist eine Frage der Macht." o Quelle: CommonSense Interview (http://www.winkestleak.net/commonsense.html), 03.Mai 2002 (engl.)
  • "… die Bürger demokratischer Gesellschaften sollten Kurse für geistige Selbstverteidigung besuchen, um sich gegen Manipulation und Kontrolle wehren zu können…" Quelle: 'Media Control' von Noam Chomsky (2003), dt. Erstausgabe. (siehe dazu auch Mind-Security )

Siehe auch

MIT, Günther Anders, Globalisierungskritik, Hybris, Sprachwissenschaft, Generative Semantik, Chomsky-Hierarchie

Weblinks





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